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Europäische Republik

Am 10. November 2018 wurde die „Europäische Republik“ von zahlreichen Balkonen in ganz Europa ausgerufen- und wir haben uns dieser Aktion in Nürtingen angeschlossen. Im Anschluss an meinen Vortrag zum Thema „NEUROPAS WERTE“ im „Philosophischen  Café“ in der Seegrasspinnerei haben sich die Teilnehmerinnen  vor dem Gebäude versammelt und von der Eingangsterasse herab wurde per Megaphon der Text des Manifestes verlesen, anschließend haben wir gemeinsam die „Europa Hymne“ mit dem Text von Friedrich Schiller und der Melodie von Ludwig van Beethovenangestimmt. Ein bewegender Moment, hundert Jahre nach dem Ende des furchtbaren ersten Weltkrieges, in dem sich das alte Europa selbst zerfleischt hat und aus dessen Trümmern sich das moderne Europa mühsam heraus entwicklet hat – mit nochmals Millionen Opfern im zweiten Weltkrieg. Erst nach diesen Katastrophen waren wir ansatzweise reif, uns zu einer gemeinsamen Zukunft zusammen zu schließen, aber immer noch viel zu unschlüssig und halbherzig, wie sich jetzt in der aktuellen politischen Entwicklung zeigt. Erst wenn wir entschlossen uns zu einer endgültigen Überwindung der Nationalstaaten entschließen und  die Partialinteressen der einzelnen Staaten überwinden, werden wir eine Chance haben, die historische Aufgabe Europas  tatsächlich einzulösen: das Versprechen der Aufklärung,  im Geiste humanistischer Gesinnung die Menschenrechte zu verwirklichen, Freiheit , Gleichheit und Solidarität in einem demokratischen  Gemeinwesen zu leben, das den Werten der  Toleranz und Vielfalt verpflichtet ist .

Das Manifest, das vom vom „European Balcony Project“ übers internet verbreitet wurde. wurde von  Ulrike Guérot  und Robert Menasse verfasst, zwei wesentliche Protagonisten der Idee einer kommenden „Europäischen Republik“

Hier der Wortlaut des Manifestes:

Heute, am 10. November 2018 um 16 Uhr, 100 Jahre nach Ende des I WK, der auf Jahrzehnte die europäische Zivilisation zerstört hatte, gedenken wir nicht nur der Geschichte, sondern nehmen unsere Zukunft selbst in die Hand.

Es ist Zeit, das Versprechen Europas zu verwirklichen und sich an die Gründungsidee des europäischen Einigungsprojekts zu erinnern.

Wir erklären alle, die sich in diesem Augenblick in Europa befinden, zu Bürgerinnen und Bürgern der europäischen Republik. Wir nehmen unsere Verantwortung für das universale Erbe der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte an, und geloben, sie endlich zu verwirklichen.

Wir sind uns bewusst, dass der Reichtum Europas auf Jahrhunderten der Ausbeutung anderer Kontinente und der Unterdrückung anderer Kulturen beruht. Wir teilen deshalb unseren Boden mit jenen, die wir von ihrem vertrieben haben. Europäer ist, wer es sein will. Die Europäische Republik ist der erste Schritt auf dem Weg zur globalen Demokratie.

Das Europa der Nationalstaaten ist gescheitert.

Die Idee des europäischen Einigungsprojekts wurde verraten.

Der Binnenmarkt und der Euro konnten ohne politisches Dach zur leichten Beute einer neoliberalen Agenda werden, die der Idee der sozialen Gerechtigkeit widerspricht.

Daher muss die Macht in den europäischen Institutionen erobert werden, um den gemeinsamen Markt und die gemeinsame Währung in einer gemeinsamen europäischen Demokratie zu gestalten.

Denn Europa heißt: Menschen zu einen und nicht Staaten zu integrieren.

An die Stelle der Souveränität der Staaten tritt hiermit die Souveränität der Bürgerinnen und Bürger. Wir begründen die Europäische Republik auf dem Grundsatz der allgemeinen politischen Gleichheit jenseits von Nationalität und Herkunft. Die konstitutionellen Träger der europäischen Republik sind die Städte und Regionen. Der Tag ist gekommen, dass sich die kulturelle Vielfalt Europas endlich in politischer Einheit entfaltet.

Der Europäische Rat ist abgesetzt.
Das Europäische Parlament hat gesetzgeberische Gewalt.
Es wählt eine europäische Regierung, die dem Wohle aller europäischen Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen verpflichtet ist.

Es lebe die Europäische Republik!

Und hier das Video unserer Proklamation: Proklamation Europäische Republik  https://youtu.be/3oyFzOOkhyw

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Brenner

unser neues mobiles Tool ist fertig und hat seinen ersten Probe-Einsatz absolviert. am Brenner haben wir uns mit den Aktiven vom „Omnibus für direkte Demokratie“ und von „European Public sphere“ getroffen zu einer Gesprächsveranstaltung in der Gesprächskuppel, die schon in Spanien dabei war. Unser mobiles Tool ist ein kleiner Anhänger aus dem man in wenigen Minuten mit ein paar Handgriffen eine komplette Präsentations- Architektur hervorzaubern kann: mit Bar, Infotisch, Präsentationswand und einem Monitor, auf dem unser „CAMINO REVOLTA“-Film zu sehen ist. Und der clou: das alles mit Solar-Betrieb. Am Brenner hatten wir herrlichen Sonnenschein und der Monitor lief einige Stunden im Dauerbetrieb ganz problemlos. So macht das Freude! Im kommenden Jahr wollen wir dieses mobile Tool mit einem Begleitfahrzeug uns vorausfahren lassen und dann am Abend im jeweiligen Ankunftsort kleine Gesprächsrunden damit veranstalten .

link zur Vorstellung der NEUROPA-BAR:  https://youtu.be/ZbcWn7uHmu4

 

Zwischenbilanz

Bei der diesjährigen Etappe von Burgos bis St.JeanPied de Port haben wir ein neues Format erprobt, um das Thema „Auf dem Camino Revolta unterwegs nach NEUROPA“ weiter zu vertiefen. In Kooperation mit der Initiative „EUROPEAN PUBLIC SPHERE“ wurden öffentliche Gesprächsrunden initiiert, bei denen interessierte PassantInnen mit uns und untereinander ins Gespräch kommen konnten, was Ihnen Europa bedeutet und wie sie sich ein neues Europa vorstellen würden, ein Neuropa, das sich mehr als bisher an den Vorstellungen und Anliegen der Menschen orientiert, die hier leben.

Ursprünglich waren vier „Dome-talks“ geplant, da es sich aber mit den Genehmigungen als schwieriger erwies, als wir gedacht hatten und sich beim Probe-Aufbau in Achberg auch der Kuppelbau als noch zu langwierig und kompliziert herausstellte, haben wir beschlossen, bei dieser Etappe erst mal nur zwei Veranstaltungen zu realisieren: In Huarte und in San Sebastian. In Huarte stellte sich dann heraus, dass die Lage des Kunst-und Kulturzentrums an der Peripherie es erschwerte „Lauf-Publikum“ zu erreichen, weshalb nur wenige Besucher auf Grund unserer Einladungen und Flugblätter den Weg dorthin fanden. Dafür gab es jedoch ein Video-Interview, das auf der website des Zentrums veröffentlicht werden soll und einige interessante Kontakte mit Künstler-KollegInnen haben sich entwickelt, die vielleicht bei den nächsten Etappen zu Kooperationen führen können. In San Sebastian hat das Format „Dome -Talk“ sich dann gut bewährt, da es auf einem gut besuchten öffentliche Platz stattfinden konnte und entsprechend die Aufmerksamkeit auf sich zog.

Die Erfahrungen mit diesem neuen Format haben mich zu einigen Ideen inspiriert, wie sich das Projekt weiter entwickeln kann. Ein mobiles Equipment, das in einem Begleitfahrzeug mitgeführt wird, schnell aufgebaut ist und eine kommunikative Atmosphäre generiert, könnte also bei den nächsten Etappen eine wichtige Rolle spielen. Vielleicht auch mit künstlerisch-kulturellen Elementen wie Musik oder Schauspiel- mal sehn was uns da noch so einfällt!

Lust bekommen mit zu denken und mit zu kommen? Einfach Kontakt aufnehmen, ich freu mich auf alte und neue WeggefährtInnen bei der nächsten Etappe von St.Jean nach le Puy und weiter.

Hier ein paar Eindrücke vom „Dome-talk in San Sebastian sowie ein Video aus Huarte: Video Huarte

Bayonne

Der Bus für meine Rückfahrt fährt in Bayonne ab, deshalb habe ich heute noch einen wohlverdienten „Touristentag“ dort verbracht.

Bayonne ist eine sehenswerte Stadt am Zusammenfluss von Nive und Adour an der Atlantikküste ganz im Süden Frankreichs. Es gibt hier eine sehr sehenswerte Kathedrale, viele kleine Strassencafes, nette Touristenläden, eine typische Markthalle, alles eben, was das Leben in Frankreich so lebenswert macht.
In den pittoresken Gässchen zwischen den alten Bürgerhäusern gehen die Einheimischen ihren alltäglichen Verrichtungen nach und die Touristen tummeln sich mit ihren Kameras bewaffnet dazwischen. Ein eigentlich friedliches Bild in der Stadt, in der das Bayonette erfunden wurde, das Aufsteckmesser für Gewehre für den Nahkampf.

Wären da nicht die Soldaten, die in martialischer Kampfmontur, den Finger am Abzug ihrer Maschienen-Pistolen, in militaerischer Vierer-Formation durch die Stadt patroullieren. Europa 2018. Der Krieg, den wir permanent exportieren ist still und heimlich in unsere Städte zurückgekehrt. Die Festung Europa versucht die unsichtbare Gefahr, die sie selbst produziert, mit absurden Gesten der „Sicherheit“ wie dieser hier zu bannen. Vergeblich.

Es gibt keine Sicherheit solange wir unser Leben und unsere Poltik so organisieren, wie wir das bisher gewohnt sind. Es gibt keine Sicherheit auf Kosten von Anderen, so wenig wie Freiheit und Gerechtigkeit – und es wird kein NEUROPA geben, solange wir unsere Exklusivität auf Kosten des Restes der Welt glauben leben zu können.

Irgendwo sah ich dann heute ein Kinoplakat mit der Aufschrift „La liberté n’a pas de prix“ (Die Freiheit hat keinen Preis). Ich kenne den Film nicht, für den dieses Plakat wirbt, aber ich kenne den Film in dem wir leben – und der gefällt mir gar nicht. Unterwegs hab ich manchmal „How many roads must a man walk down…“ von Bob Dylan gesungen und ich frage mich, wie weit wir noch gehen müssen bis wir irgendwann ein friedliches und solidarisches Zusammenleben in Freiheit und Gerechtigkeit erreicht haben.

Wer Lust hat nächstes Jahr mitzugehen ist hiermit herzlich eingeladen.

St. Jean Pied de Port

Unsere „Herbergs-Mutter“ in St. Jean Pied de Port, dem klassischen Ausgangspunkt der Camino-Pilger und unser vorläufiges Ziel, ist eine sehr herzliche Madam, sie kennt jeden Gast mit Vornamen und stellt beim gemeinsamen Frühstück die Gäste gegenseitig vor. Eine sehr schöne Geste!

Gleich beim Einchecken hat sie unsere NEUROPA-T-shirts bemerkt und sich erkundigt, was es damit auf sich habe. Und als wir ihr die Idee erklärt haben, dass wir für ein „zukunftsfähiges Europa“ unterwegs seien, in dem Werte wie Solidarität, Gerechtigkeit und Demokratie nicht nur Schlagworte seien, sondern eine tatsächliche Wirklichkeit, war sie sehr angetan. Und dann kam von ihr eine sehr interessante Bemerkung: Dass ausgerechnet eine Gruppe Deutscher auf diese Idee käme, dass Europa reformbedürftig sei und ein „besseres NEUROPA“ wünschenswert, fände sie wirklich bemerkenswert. Da ist mir mal wieder sehr klar geworden, wie einseitig die bisherige Union auf den Vorteil Deutschlands zurechtgestutzt wurde und wie dringend notwendig es ist, hier entgegen zu steuern.

Dieses Gespräch ist ein schönes Beispiel dafür, wie das „Format“ mit dem wir bei der diesjährigen Etappe unterwegs waren, funktioniert. Die leuchtend-orangenen T-shirts mit dem AufdruckNEUROPA und gelegentlich die Fahne mit demselben Logo, hat viele der entgegenkommenden Pilger animiert, uns nicht nur die Frage zu stellen weshalb wir „in die falsche Richtung“ pilgern, sondern auch, was NEUROPA bedeuten soll. Der Gesprächseinstieg war damit einfach, wir haben die Frage einfach zurückgespiegelt und zumeist geantwortet, dass wir von Finisterre kommen, dem „Ende der Welt“ am äußersten Rand Europas und nun unterwegs seien nach NEUROPA und wenn unser Gegenüber dann weiter wissen wollte, wo denn NEUROPA liegt, haben wir einfach zurückgefragt, was er oder sie denn selbst meine. Und spätestens wenn wir noch ergänzt haben, dass NEUROPA in der Zukunft liegt, ging meist ein Lächeln über die Gesichter und wir konnten unbefangen in das Gespräch darüber kommen, wie sich unsere Gesprächspartner diese Zukunft vorstellen. Interessant war zu dabei wahrzunehmen, dass viele Menschen zwar Europa wichtig finden – selten, dass jemand die Europäische Union für komplett überflüssig hielt – zugleich aber ist auffällig, dass die meisten Menschen mit dem gegenwärtigen Zustand Europas unzufrieden sind. Zunächst werden also oft kritische Anmerkungen gemacht über Europa, schwieriger ist es, in den Gesprächen auch über Ideen zu sprechen, wie ein „besseres Europa“ aussehen könnte. Wir haben dann oft eine unsere „Fragen-Karten“ überreicht, auf denen wir in einem kurzen Satz unser Projekt erläutern und die Bitte aussprechen, doch eine eigene Idee oder ein Projekt zu beschreiben, das für eine bessere Zukunft wegweisend sein könnte. Ich bin gespannt, wie viele Menschen diese Möglichkeit nutzen, mit uns ins Gespräch zu kommen. Bei den „Dome-Talks“ in Huerte und San Sebastian haben schon ein paar Menschen direkt die Karten beschriftet, teilweise in ihren Heimat-Sprachen. Auch das ist ein schönes Bild der Vielfalt eines kommenden NEUROPA.

St.Jean Pied de Port

Vielleicht habt ihr Euch gewundert,weshalb der Blog-Beitrag von gestern erst heute online ging. Die Erklärung sind die Menge der Pilger, die in Resconvalles „durchgeschleust“ werden. Zwar haben die Verantwortlichen hier diesen „Pilgerfluss“ gut durchorganisiert aber das Wifi ist komplett überfordert. Keine Chance hier einzuloggen, der virtuelle Raum ist in dieser altehrwürdigen Abtei ziemlich überbevölkert…

Heute haben wir uns dann als Abschluss des diesjährigen Camino-Revolta-Projektes die „Königs-Etappe“ der Pyrenäen-Überquerung vorgenommen und es war ein wirklich krönender Abschluss. Nach einem sehr steilen Anstieg haben wir nach 2 Stunden die Baumgrenze erreicht und sind dann durch lichte Buchenwälder , die mit ihrem eigentümlichen Grauton ernst und majestätisch wirken bevor das helle Maigrün ganz vorsichtig aus den Knospen bricht, bis zum Gipfel aufgestiegen. Unter uns ein weites Wolkenmeer, das in den Tälern wie ein Meer aus Watte wogt, Berggipfel, die wie Inseln darin schwimmen – Gipfelerlebnissen kann man schlecht in Worte fassen, man muss sie sich gelegentlich gönnen, die damit verbundenenMühe lohnt sich allemal. Einzelne Schneefelder erinnerten daran, dass die „route Napoleon“ noch vor 3 Wochen gesperrt war wegen Schnee, wir haben sie als Kulissen benutzt um die NEUROPA-Fahne an diesem besonderen Ort , der die iberische Halbinsel vom restlichen Kontinent separiert, fotogen zu inszenieren bevor wir uns an den langen Abstieg nach St.Jean auf der französischen Seite gemacht haben. Nebel stieg langsam aus den Tälern empor und dann waren wir über Stunden in einer Atmosphäre eingehüllt, wie man sie eigentlich nur aus Tarkovsky-Filmen kennt. Die Sicht verlor sich nach wenigen Metern, Glockenläuten aus dem undurchschaubaren Nichts kam manchmal näher und entfernte sich dann wieder, gelegentlich gab ein weidendes Pferd sich als dessen Ursache zu erkennen. Seltsam zeitlos standen kräftige Kaltblut-Pferde in kleinen Gruppen zusammen, schauten kurz zu uns herüber und widmeten sich dann ganz wieder ihrem eigentlichen Daseins-Grund: dem „Da sein“. Wu-Wei nennen das die Weisen des Ostens…

Stundenlanges Pilgern in dieser Atmosphäre lässt einen die Unwichtigkeit der Zeit erahnen. Könnte ich doch ein kleines Stück dieser Erfahrung in meinen Rucksack packen und mitnehmen.

Roncesvalles

Heute sind wir nach Roncesvalles aufgestiegen, der Abtei in den Pyrenäen, wo die Pilger aus Frankreich kommend ihre erste mühsame Etappe über den Berggrat beenden. Es ist ein interessantes Erlebnis sich nach der Durchquerung Spaniens in der Gegenrichtung sich nun hier einzureihen in die Masse derer, die hier ihren Weg beginnen. Es sind jeden Tag Hunderte, die hier den Camino wie einen unablässigen Strom neu mit ihren Hoffnungen, ihren Idealen und ihrem Ehrgeiz füllen. Es hat etwas befremdliches an sich, wenn man diese Menschenmassen sieht – und doch ist jeder/jede ein einzelner Mensch der sich auf diesen Weg macht.
Nicht nur die individuellen Motive sind sehr unterschiedlich, hier kann man auch mitbekommen, wie verschieden die „settings“ sind der verschiedenen Pilgergruppen. Beim Essen saßen wir zusammen mit einer Gruppe Damen aus den USA, die den „Way of St. James“ als Komplettpaket gebucht haben mit Gepäcktransport, festgelegten Etappen und besseren Hotels, da kann nichts mehr schief gehen… Aber auch ihr Weg wird trotz Pauschalangebot (keine Ahnung was so etwas kostet) vielleicht eine wichtige Erfahrung werden, ich hoffe es für sie…
Rätselhaft sind mir vor allem die vielen Koreaner auf dem Camino, viele extrem jung, sie haben alle einen Kinofilm in ihrer Heimat gesehen über den Camino und suchen nun nach der authentischen Erfahrung hinter der Kino-Leinwand. Wie erleben sie wohl dieses uralte Kulturereignis des Pilgerns auf dem Jakobsweg, wie sehen sie die alten Kirchen und Zeugnisse einer Kultur, die uns gerade selbst entschwindet? Oder haben vielleicht gerade sie eine besondere Empfänglichkeit dafür? Hat „Old Europe“ gerade den vielen Amerikanern und Asiaten hier auf dem Weg besonders viel zu sagen? Keine Ahnung, meine eigene Suche nach den Wurzeln unserer gemeinsamen europäischen Kultur hat mir auf diesem Weg viele innere Erfahrungen vermittelt und einen Bilderschatz (im doppelten Wortsinn) beschert, den ich erst mal verarbeiten muss. Wie muss das dann für Menschen aus anderen Kulturen sein? Neuropa interessiert diese Menschen sicher wenig, sie haben mit der Gestaltung ihrer eigenen Zukunft genug zu tun. Und für mich stellt sich damit die Frage nach der Bedeutung Neuropas in einem globalen Sinn.
Aber erst mal müssen wir morgen über den Bergpass.