St. Jean Pied de Port

Unsere „Herbergs-Mutter“ in St. Jean Pied de Port, dem klassischen Ausgangspunkt der Camino-Pilger und unser vorläufiges Ziel, ist eine sehr herzliche Madam, sie kennt jeden Gast mit Vornamen und stellt beim gemeinsamen Frühstück die Gäste gegenseitig vor. Eine sehr schöne Geste!

Gleich beim Einchecken hat sie unsere NEUROPA-T-shirts bemerkt und sich erkundigt, was es damit auf sich habe. Und als wir ihr die Idee erklärt haben, dass wir für ein „zukunftsfähiges Europa“ unterwegs seien, in dem Werte wie Solidarität, Gerechtigkeit und Demokratie nicht nur Schlagworte seien, sondern eine tatsächliche Wirklichkeit, war sie sehr angetan. Und dann kam von ihr eine sehr interessante Bemerkung: Dass ausgerechnet eine Gruppe Deutscher auf diese Idee käme, dass Europa reformbedürftig sei und ein „besseres NEUROPA“ wünschenswert, fände sie wirklich bemerkenswert. Da ist mir mal wieder sehr klar geworden, wie einseitig die bisherige Union auf den Vorteil Deutschlands zurechtgestutzt wurde und wie dringend notwendig es ist, hier entgegen zu steuern.

Dieses Gespräch ist ein schönes Beispiel dafür, wie das „Format“ mit dem wir bei der diesjährigen Etappe unterwegs waren, funktioniert. Die leuchtend-orangenen T-shirts mit dem AufdruckNEUROPA und gelegentlich die Fahne mit demselben Logo, hat viele der entgegenkommenden Pilger animiert, uns nicht nur die Frage zu stellen weshalb wir „in die falsche Richtung“ pilgern, sondern auch, was NEUROPA bedeuten soll. Der Gesprächseinstieg war damit einfach, wir haben die Frage einfach zurückgespiegelt und zumeist geantwortet, dass wir von Finisterre kommen, dem „Ende der Welt“ am äußersten Rand Europas und nun unterwegs seien nach NEUROPA und wenn unser Gegenüber dann weiter wissen wollte, wo denn NEUROPA liegt, haben wir einfach zurückgefragt, was er oder sie denn selbst meine. Und spätestens wenn wir noch ergänzt haben, dass NEUROPA in der Zukunft liegt, ging meist ein Lächeln über die Gesichter und wir konnten unbefangen in das Gespräch darüber kommen, wie sich unsere Gesprächspartner diese Zukunft vorstellen. Interessant war zu dabei wahrzunehmen, dass viele Menschen zwar Europa wichtig finden – selten, dass jemand die Europäische Union für komplett überflüssig hielt – zugleich aber ist auffällig, dass die meisten Menschen mit dem gegenwärtigen Zustand Europas unzufrieden sind. Zunächst werden also oft kritische Anmerkungen gemacht über Europa, schwieriger ist es, in den Gesprächen auch über Ideen zu sprechen, wie ein „besseres Europa“ aussehen könnte. Wir haben dann oft eine unsere „Fragen-Karten“ überreicht, auf denen wir in einem kurzen Satz unser Projekt erläutern und die Bitte aussprechen, doch eine eigene Idee oder ein Projekt zu beschreiben, das für eine bessere Zukunft wegweisend sein könnte. Ich bin gespannt, wie viele Menschen diese Möglichkeit nutzen, mit uns ins Gespräch zu kommen. Bei den „Dome-Talks“ in Huerte und San Sebastian haben schon ein paar Menschen direkt die Karten beschriftet, teilweise in ihren Heimat-Sprachen. Auch das ist ein schönes Bild der Vielfalt eines kommenden NEUROPA.

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2 Gedanken zu “St. Jean Pied de Port

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