Ciraqui

Beinahe wären wir heute an einem kleinen Stück Neuropa vorbeigewandert. Kurz vor Ciraqui bemerkten wir hinter einer dichten Hecke am Wegrand fröhliche Stimmen und ein paar bunte Objekte. Neugierig geworden schauten wir am Ende der Hecke zurück, was es dahinter wohl zu entdecken gab. Eine einladende Situation mit spielerischen Objekten und Installationen lud uns ein, ein Stück Weg hinter der Hecke zurück zu gehen und wir landeten schließlich in einem Olivenhain, in dem weitere ähnliche Installationen verteilt waren. Einige alte Liege- und Schaukelstühle, ein Tisch mit Früchten und warmen Getränken (gegen Spende) machten einen einladenen Eindruck und um eine Feuerstelle saßen ein paar junge Leute und unterhielten sich lebhaft. Wir bedienten uns an dem Angebot und setzten uns dazu. Ein hagerer, junger Mann mit langem, geflochtenem Zopf – Iván mit Namen – erklärte uns dann auf unsere Nachfrage, dass das sein Projekt „Olivengarten“ sei, das er vor einem Jahr zusammen mit einem Freund ins Leben gerufen habe. Sie haben das Grundstück gekauft und wollen den Olivenanbau auf ökologische Bewirtschaftung umstellen- etwa 4000kg Oliven haben sie schon geerntet im letzten Jahr. Das Grundstück wollen sie zu einem künstlerisch gestalteten Rast-Platz für Pilger ausgestalten, auch ein paar Tipis sind in Planung zur Übernachtung. Ein Ort der Begegnung in einer zwanglosen und liebevoll gestalteten Umgebung. Mir ging das Herz auf bei diesem Anblick und der gastfreundlichen Atmosphäre hier, die sich schnell mit weiteren Pilgern füllte. Wir durften unsere Neuropa-Fahne an einem Olivenbaum aufhängen und stellten dem Gastgeber und den Mit-Pilgern unser Projekt vor. Irgendwie hatte das etwas Utopisches: die Menschen aus allen möglichen Ländern in ihren jeweiligen Sprachen und Habitus, versammelt unter 400-jährigen Olivenbäumen, alle irgendwie unterwegs, jede(r) auf seine/ihre Weise, irgendwelche Träumer, die sich nicht daran hindern lassen ihre Träume zu leben. Das ist schon ein kleines Stück Neuropa, auf halbem Weg zwischen Estella und Puente la Reina. Und wie es oft ist in derartig stimmigen Situationen, bin ich viel zu involviert um daran zu denken die passenden Fotos zu machen. (aber die Bilder in Euren Köpfen sind sowieso viel wichtiger)

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