Stuttgart

In der aktuellen Ausstellung „PRÄSENZ / KRITIK / UTOPIE“ im Württembergischen Kunstverein in Stuttgart  ist nun die Installation „CAMINO REVOLTA“ zu sehen, die über das Projekt informiert.  Neben zwei Info-Texten, die das „MANIFEST von FINISTERRE“ beinhalten sowie Informationen zur „SOCIETÉ MONT PÈLERIN“ läuft ein Video-Zusammenschnitt aus meiner subjektiven Pilger-Perspektive, der die zahlreichen „Entgegenkommenden“ zeigt sowie darüber  ein großes Transparent mit dem Schriftzug „NEUROPA“. Die BesucherInnen können sich das Manifest auch mitnehmen und zuhause in Ruhe durchlesen.  Vielleicht finden sich noch weitere Menschen, die im kommenden Früjahr die nächste Etappe mitpilgern wollen, über die zeitschriften-Beiträge, die  zu dem Projekt veröffentlicht wurden haben sich schon die ersten Interessierten gemeldet.

Und hier der Text  des „MANIFEST von FINISTERRE“:

MANIFEST von FINISTERRE
Wir stehen an einem Wendepunkt: Wir sind einen langen Weg gegangen, haben vieles erreicht und manches verfehlt, unsere kritische Selbstreflexion erschließt uns neue Horizonte und wir sind der festen Überzeugung, dass ein zukunftsfähiges Zusammenleben in einem NEUEN EUROPA möglich ist.
Wir sind aufgebrochen zu neuen Horizonten, die eine Verwandlung des Vergangenen einschließen: Wir sind überzeugt, dass die grundsätzlichen Werte Europas, die unserer langen humanistischen Tradition verwurzelt sind und im Zeitalter der Aufklärung in die allgemeingültige Formulierung von „Freiheit, Gleichheit und Solidarität“ gefasst wurden, einen wichtigen Beitrag leisten für die Entwicklung einer friedfertigen Kultur, in Europa und weltweit.
Wir haben aber auch erkannt, dass diese Werte noch nicht in dem Umfang realisiert sind, wie es wünschenswert wäre. Zwar leben wir in Europa in einigermaßen funktionierenden demokratischen Gemeinwesen, diese sind aber einerseits gefährdet von immer wieder aufflackernden antidemokratischen Tendenzen und sie sind andererseits etwicklungsfähig hinsichtlich einer umfassenderen politischen Teilhabe der Bevölkerung.
Wir haben auch die Entwicklung kultureller Standarts erreicht, die die Freiheit des Denkens, den freien Zugang zu Bildung und die freie Meinungsäußerung weitestgehend gewährleisten, wir sind uns jedoch der permanenten Gefährdung dieser Errungenschaft durch Medien-Manipulation und ungleiche Bildungschancen bewusst.
Das bedrängendste Defizit der Nicht-Realisierung unseres Werte-Kanons zeigt sich jedoch in der zunehmenden Entsolidarisierung der Gesellschaft. Die historische Entwicklung der Besitzverhältnisse und die Formatierung der Marktwirtschaft in ihrer aktuellen Ausprägung führen zu einer sozialen Ungleichheit und Ungerechtigkeit, die in ihrem Ausmaß ständig fortschreitet und sozialen Sprengstoff bildet. Unsere demokratischen Errungenschaften sind durch diese Entwicklung zunehmend bedroht,
die Ideologie des Neoliberalismus schreibt diese Verhältnisse fort, zugleich entwickeln sich irrationale Ängste und Ausweichbewegungen bei vielen Menschen, die sich gegen Minderheiten richten. Der Rückzug auf nationale Interessen und eine allgemeine Haltung des „me first“ bedrohen den sozialen Frieden in Europa, nationalistische Tendenzen breiten sich aus und gefährden den Fortschritt der europäischen Idee.
In dieser Bedrängnis liegt jedoch auch die Chance zu einem neuen Aufbruch, am Horizont zeigen sich die ersten schemenhaften Umrisse eines NEUEN EUROPA. Zahlreiche Menschen gründen aktuell Initiativen und Bewegungen, die Bausteine zu einem neuen Europa sind, jeweils auf ihrem Gebiet.
Für ein Europa der Solidarität
Die Orientierung des Wirtschaftens am Gemeinwohl statt am Eigennutz, die Bildung genossenschaftlicher und assoziativer Wirtschaftseinheiten, Ideen für ein anderes Geld- und Bankenwesen, die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen – dies sind nur ein paar wenige Beispiele für ein neues Denken in wirtschaftlichen Zuammenhängen, das Grundlage eines solidarischen Europas werden könnte. Die Erkenntnis, dass ungezügeltes Wirtschaftswachstum eine Sackgasse ist und Konkurrenz und Profitstreben der entfesselten Marktwirtschaft die Ursachen der Entsolidarisierung sind, setzt sich immer mehr durch, immer mehr Menschen leiden unter ihren entfremdeten Lebens- und Arbeitsverhältnissen und sind auf der Suche nach alternativen Lebensmodellen. Initiativen wie z.B. DIEM 25 haben Konzeptionen für einen NEW DEAL erarbeitet, die Grundlage für einen gemeinsamen europäischen
Wirtschaftsraum sein könnten, der SOLIDARITÄT anstelle nationalen und individuellen
Eigennutzes favorisiert.
Für ein Europa der Regionen und der direktdemokratischen Partizipation:
Der Tendenz zur zunehmenden Bürokratisierung und Zentralsierung von politischer Entscheidungsgewalt in nicht ausreichend demokratisch legitimierten Gremien stellt sich eine Kritik entgegen, die mehr Beteiligungsmöglichkeiten einfordert im Sinne direktdemokratischer Abstimmungsmöglichkeiten.
Auch die Regionen Europas fordern mehr Spielraum für autonome Entscheidungsprozesse, statt einem Europa der gegenseitigen nationalen Blockaden bringen fortschrittliche Konzeptionen die Überlegung einer „Europäischen Republik“ ins Gespräch, die statt aus Nationen aus autonomen Regionen sich bildet.
Für ein Europa der Freiheit und kulturellen Vielfalt:
Die Achtung vor dem Anderen und die Wertschätzung kultureller Vielfalt sind Werte, die sich gegen Ressentiment, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus durchgesetzt haben, sie sind unverhandelbar und werden von vielen Menschen und Initiativen gelebt. Diese Werte sind aktuell gegen Angriffe zu verteidigen, die in der „Angst vor dem Anderen“ begründet sind, Offenheit und Toleranz braucht jedoch mutige Menschen!
Freie Medien als Möglichkeit der Informationsfreiheit und des offenen gesellschaftlichen
Diskurses sind unabdingbare Grundlagen demokratischer Gesellschaften, sie gilt es zu schützen gegen Missbrauch und Manipulation, gegen Einflussnahme und Machtkonzentration. Der freie Zugang zu vielfältigen Bildungseinrichtungen ist Voraussetzung einer Persönlichkeitsentwicklung, die jedem Menschen zusteht, sie ermöglicht die Entfaltung einer Dialogkultur, die wiederum die Grundlage demokratischer Teilhabe ist. Initiativen für die Verteidigung der
„Offenen Gesellschaft“ sind zeitnotwendig.
Um diese Inspirationen in ein sinnliches Bild der BEWEGUNG zu kleiden, haben wir das Projekt einer paneuropaischen GEGENBEWEGUNG mit der Zielrichtung eines NEUEN EUROPA gestartet: Seit dem 1 April 2017, dem 70ten Jahrestag der Gründung der Société Mont Pèleri (dem ersten think tank des Neoliberalismus) sind wir auf dem CAMINO REVOLTA (Jakobsweg rückwärts) unterwegs Von Finisterre, dem Ende der alten Welt, quer durch Europa zum Mont Pèlerin und tragen die Botschaft des Aufbruchs in ein NEUES EUROPA mit uns. Wir wollen in den nächsten Monaten und Jahren mit möglichst vielen Menschen diesen Weg gehen und unterwegs Möglichkeiten des  Gedankenaustausches und der Information initiieren. Unser Ziel ist ein NEUES EUROPA, in dem die Werte der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität endlich
die ihnen gebührende gesellschaftliche Gestalt bekommen.
Das NEUE EUROPA zeigt sich am Horizont, es liegt an uns, diese Chance jetzt zu ergreifen.

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3 Gedanken zu “Stuttgart

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